Der Schiffstyp P-28

Quelle: www.hallberg-rassy.se

Die hierzulande nahezu unbekannte Hallberg Pazifik 28 (oder kurz P 28) wurde bereits in den Fünfziger Jahren von Harry Hallberg konstruiert, einem Pionier des Serienbaus von Segelyachten, lange vor Bavaria und Co. Ursprünglich aus Holz und mit einem Albin 10 PS-Benzinmotor mit Verstellpropeller versehen, erfüllte die P 28 die ihr zugedachte Rolle als seetüchtiger und familientauglicher Kreuzer mit Bravour. Der Langkiel mit S-Spant, die überaus stabile Bauweise und der hohe Ballastanteil von 45 % trugen zusammen mit den guten Segeleigenschaften und dem durch Serienfertigung im Vergleich günstigen Preis zur großen Beliebtheit der P 28 sowohl in Skandinavien wie auch in den USA bei. In den Sechziger Jahren war Hallberg einer der ersten, der die Vorzüge der GFK-Serienfertigung für den Yachtbau erkannte. Nachdem man dem neuen Werkstoff in Sachen Festigkeit noch etwas misstraute, fiel eben alles ein wenig stabiler aus. Was dazu führt, dass eine P 28 auch nach über 35 Jahren nahezu unkaputtbar ist. Den Beinamen Pazifik bekam die P 28 übrigens aufgrund der Tatsache, dass die ersten 50 Stück der Baureihe an die US-amerikanische Westküste geliefert wurden, wo die P 28 noch heute einen hervorragenden Ruf genießt.

So sahen die ersten P 28 aus, mit Fraktionalrigg und durchgehenden Kajütfenstern.

Auch bei Klubregatten machte die P 28 eine gute Figur - hier unter  Spinnaker. Das Fraktionalrigg ist bereits der Topptakelung gewichen, gut zu erkennen sind die geteilten Kajütfenster, die den Aufbau gestreckter wirken lassen.

In den Sechziger Jahren wurde Harry Hallberg die Werft im schwedischen Kungsviken zu klein, er verkaufte das Gelände an einen ehrgeizigen und tüchtigen Bootsbauer, der erst einige Jahre zuvor vom bayerischen Chiemsee nach Schweden eingewandert war: Christoph Rassy. Er selbst errichtete eine neue Werft in Ellös auf der westschwedischen Insel Orust. 1972 allerdings setzte sich Hallberg endgültig zur Ruhe und verkaufte auch diese Werft, diesmal mit allen Werkzeugen, Rumpfformen und vor allem dem Firmennamen an Christoph Rassy, der den Namen Hallberg beibehielt und kurzerhand mit seinem eigenen zu "Hallberg-Rassy" verschmolz. Harry Hallberg und Christoph Rassy haben also - entgegen einer landläufigen Meinung - nie zusammen Schiffe gebaut. Den Rest dieser Erfolgsstory kennen die meisten Segler: Zuerst mit Konstrukteur Olle Enderlein, danach mit German Frèrs, schaffte es Rassy binnen zehn Jahren, den Namen seiner Firma  weltweit zum Synonym für allerfeinste schwedische Bootsbaukunst zu machen. Wer sich für die Geschichte der Werft näher interessiert, dem sei die Homepage von Hallberg-Rassy empfohlen:

Die P 28 unterzog Rassy sofort einer behutsamen, doch gekonnten Modernisierung. Der unzuverlässige Albin-Benziner wich einem modernen Volvo Penta Einbaudiesel. Der Rumpf wurde achtern um knapp 40 cm verlängert und bekam einen negativen Spiegel. Das schöne Teakdeck war nun Standard. Den Prototypen dieser "neuen" P 28, der die Baunummer 500  trägt, sieht man oben unter Vollzeug mit der berühmten roten Genua. Die AYTHYA mit der Baunummer 508 ist also eine echte Hallberg-Rassy. Trotz des Facelifts waren die Tage der P 28 gezählt: Rassy, einer der Pioniere des modernen Segelyachtbaus, verfolgte eigene, moderne Ideen und Konzepte, und da passte die gute alte P 28, die mit ihrer für heutige Verhältnisse gerade lächerlich geringen Breite von 2,35 m, ihren großen Überhängen und dem Langkiel schon Ende der Fünfziger Jahre "alt" aussah, nicht mehr so richtig dazu. Dazu kam, dass die Baukapazitäten in Ellös dringend benötigt wurden, und so war 1973 bei Baunummer 537 Schluss mit der P28. 

Was dazu führt, dass Sie heute die Möglichkeit haben, mit einem richtig seltenen Klassiker, der noch dazu hervorragend segelt und behutsam sicherheits-, motoren- und elektrotechnisch an die heutige Zeit angepasst wurde, auf Törn zu gehen. Die Chance, dass in dem Hafen, den Sie ansteuern, noch eine P 28 liegt, geht gegen Null. Und wenn doch einmal, so sind wir sicher, dass Sie nette Bekanntschaften machen werden, denn Leute, die mit Schiffen wie der AYTHYA segeln, sind anders als andere. Genau wie Sie.

Werbefoto aus einem zeitgenössischen Werftprospekt - die Polsterfarben erinnern an den typischen Geschmack der frühen Siebziger Jahre - der Aschenbecher ist jedoch heutzutage nicht mehr tolerabel. Auf der AYTHYA herrscht striktes Rauchverbot.

In der Zeitschrift "Palstek" (03/2005) erschien ein Feature über die P 28: Pazifik 28